Eine unveröffentlichte Predigt am Sonntag


Liebe Gemeinde,

als ich heute Morgen die „Predigt am Sonntag“ zur Landeszeitung führte das zu Irritationen: Ich bin erst nächste Woche dran. Da es nun mal geschrieben habe, möchte ich es aber auch veröffentlichen:

Von Pfaffentrug und Weiberlist

In August Bürgers Ballade, die Weiber von Weinsberg, von 1774 heißt es: Doch wenn’s Matthä am letzten ist,/ trotz Raten, Tun und Beten,/ so rettet oft noch Weiberlist/ aus Ängsten und aus Nöten. Denn Pfaffentrug und Weiberlist/ gehn über alles, wie ihr wisst.

Wenn Matthei am Letzten ist“, so heißt es im Volksmund, dann ist es aus und vorbei: finanziell, gesundheitlich oder vielleicht auch mit den Ideen. Diese Redewendung spielt auf unseren sonntäglichen Predigttext an, wo der auferstandene Jesus zu seinen Jüngern sagt: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Zumindest in der deutschen Sprache endet das Matthäus-Evangelium mit dem Wort „Ende“ und das schon lange bevor der Kinofilm entdeckte, dass das Ende finaler wirkt, wenn es mit dem eingeblendeten Wort „Ende“ endet, besonders dann, wenn die Fortsetzung schon gedreht ist.

Im Gegensatz zu Hollywood und dem Dichter Bürger beschreibt aber der Evangelist Matthäus mit seinen letzten Worten ein tatsächliches Ende, das Ende des Äons, wie es im Griechischen heißt, das Weltende. Ein Ende, das auch nicht mehr mit „Pfaffentrug und Weiberlist“ zu wenden ist… und interessanter Weise öffnet mir dies wieder den Blick für die Gegenwart: Was ist denn das Gebot der Stunde? Jesus hat seinen Jüngern im selben Atemzug geboten den Menschen von Gott zu erzählen und sie zu taufen.

Wozu? Damit ich lebe und nicht in den Bürgerschen Aktionismus von „raten, tun und beten“ verfalle oder meine mich mit Trug und List über Wasser zu halten. Leben heißt das Gebot der Stunde: leben im getauften Bewusstsein der Gegenwart Gottes, der bei mir ist, dem meine Ängste und Nöte nicht verborgen sind und leben, um zu lieben, denn die Liebe geht wirklich über alles, was ich zu wissen vermag. Sie ist sogar ein Vorgeschmack auf das, was ich hoffe, wenn meine Weltzeit endet.

Ich lade also herzlich ein zum 12.7. in die Lutherkirche Westerrönfeld.

Mit besten Grüßen,

Rode Zimmermann-Stock

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