Die neue Erntekrone ist gebunden, Erntedank kann kommen


Die Schürze nicht vergessen, altes Zeug an, eine Gartenschere, dicke Wolljacke, Nudelsalat vorbereiten – tief durchatmen und los! Hinaus in die Ferne zum Plirup, dort wartet Annelene Ströh auf dem Bauernhof. „ Wie möt wedder rann un düt Johr een nie Oornkron binn.“ Oft rief sie mir im Dorf diesen Satz zu. Nach 5 Jahren Erntedankgottesdienst musste die alte Krone unbedingt erneuert werden. Auf auf Ihr mutigen Landfrauen! Volles Auto, Ankunft am 14.9. auf dem Hof Ströh.

Es heißt immer: Gute Vorbereitung ist halbe Durchführung. So war es.

Das Gerippe der alten Krone stand auf einem großen Tisch schon bereit, ausreichend Bindedraht, Scheren in allen Größen und Kartons voll der schönsten Ähren. Annelene hatte mit Hilfe ihrer Familie tüchtig Hafer, Gerste-, Weizen und Roggenähren gesammelt, geschnitten, sortiert, heimtransportiert und diese Schätze vor Vogelfraß und Mäusegier versteckt und gehütet. Alle waren sich einig: Binden sollte diesmal ganz allein die Linde. Ach du liebe Zeit. Na denn!!

„Mit dem Weizen fangen wir an.“ Christa Karsubke wühlte mit Eifer und Fleiß im Getreide herum. Kleine, gut sortierte Sträußchen entstanden in ihren Händen. Anneliese Nicklas schnippelte die Stiele kürzer und ordnete die Ähren zu gleichmäßiger Länge. Annelene Kuhschmieder und Enkeltochter Nele Ströh reichten mir – der Binderin – in mehrhändigem Tempo die kleinen Getreidebündel zu. Vier Streben der glockenförmigen Krone waren zu umwickeln, und sie mussten gleichmäßig gestaltet werden. „ Bitte hier nicht zu dick! Dort ist es noch etwas dünn geraten! Ich sehe noch ein Loch! Ja – so ist`s gut!“

Fleißig vertieft waren wir ganz bei unserem Tun. Bis auf eine kurze Kaffeepause mit Annelenes frischen, kleinen wohlschmeckenden “Appelstuten“ konzentrierten wir uns volle vier Stunden auf die besondere Arbeit. Es entstand etwas sehr Schönes! Natürlich schmerzte der Rücken, Hände und Füße wurden kalt. Doch unter dem Hofdach – so mittendrin im Stroh und dem Entstehen der „allerschönsten Erntekrone der Welt“ empfanden wir sogar den Nieselregen als dazugehörig. Die wachsende Krone wurde immer schwerer. Sie musste gedreht, von allen Seiten, von oben und unten begutachtet werden. Es herrschte fröhliche Stimmung: Mal nach rechts, mal nach links ein liebes, mutmachendes Wort, ein Scherz, Schnacken über das Dorfgeschehen, in Erinnerungen schwelgen: Weißt Du noch? Oder: Kannst Du mal?

Gegen Abend kam wirklich noch unser Pastor und half in der letzten, schweren halben Stunde tüchtig mit. Der untere Kronenring musste mit Haferrispen umwickelt werden. Dafür benötigten wir kräftige Männerarme. An einem dicken Tau hing nun unsere fast fertige Krone, und Pastor Zimmermann-Stock knüpfte gekonnt einen Seemannsknoten für Stabilität, prüfte, staunte über unser Kunstwerk und fotografierte das Geschehen von allen Seiten. Bauer Jörg spendete ein Schnäpschen. Die Grillkohle glühte. Bald war es geschafft. Bei Einbruch der Dunkelheit erfüllten uns Freude und Stolz. Das Werk vollendet! Ein glücklicher Augenblick! Wir umarmten uns. In der Mitte unter dem Dach hing nun wirklich die schönste aller Erntekronen. Zur Belohnung schmeckten uns gegrillte Würstchen, der Nudelsalat, frisches Brot und wärmender Kirchenwein.

Die nächste Erntekrone binden gewiss jüngere Frauen. Wir sitzen dann – so Gott will – beratend dabei. Das versprechen wir!

Linde Cramer

Der Erntedankgottesdienst findet in diese Jahr in der Scheune der Familie Schülldorf in der Jevenstedterstraße statt. 3. Oktober 10 Uhr.

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